Was ist Psychotherapie?

 

Unter dem Begriff „Psychotherapie“ werden verschiedene, sehr unterschiedliche psychologische Verfahren zusammengefasst, die ohne Einsatz von Medikamenten, manchmal auch flankierend zum Medikamenteneinsatz auf die Behandlung psychischer oder auch psychosomatischer Krankheiten, Leiden und Verhaltensstörungen abzielen.
Die Psychotherapie ist eine auf wissenschaftlichen Grundlagen basierende besondere Form einer menschlichen Beziehung, deren positive, veränderungsfördernde Bedingungen von der Therapeutin/vom Therapeuten mit dem Ziel bereitgestellt werden, für einen oder auch mehrere Klientinnen/Klienten die gewünschten Veränderungen in die Richtung einer Verminderung oder möglichst einer Heilung von seelischem oder auch körperlichem Leiden zu ermöglichen.
Idealerweise geht eine Psychotherapie auch mit einer Weiterentwicklung der Persönlichkeit einher. Durch diese besondere Beziehungsgestaltung in der Psychotherapie und die selektiven Anregungen der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten steigert die Klientin/der Klient die eigene Fähigkeit, besser mit sich und seinen persönlichen Problemen umgehen zu können, um ein besseres geistiges beziehungsweise seelisches und auch körperliches Wohlbefinden zu erreichen. In diesem Sinne ist die Psychotherapie immer auch Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Ziele einer Psychotherapie:

  • Ziel ist es, den Klienten darin zu unterstützen, effektivere Bewältigungsstrategien für Probleme zu entwickeln, das Leiden zu reduzieren und Lebensqualität zu gewinnen.
  • Die psychologischen Behandlungsmethoden konzentrieren sich darauf, unangemessene Verhaltensweisen zu verändern, die wir gelernt haben, sowie Wörter, Gedanken, Interpretationen und Rückmeldungen zu verändern, die die Strategien im Leben lenken.

Ablauf einer Psychotherapie:
Eine Psychotherapie beinhaltet in der Regel folgende Phasen:

  • Die Erwägungs-Phase (Klient erwägt eine Therapie zu machen)
  • Die Anamnese/Diagnostik
  • Die Ziel-Definition (zusammen mit dem Klienten)
  • Die eigentliche Therapie-Arbeit
  • Die Übergangs-Phase (Erarbeitetes wird besprochen, und es wird auf die Ablösung vom Therapeuten hingearbeitet)
  • Die Nachsorge-Phase (2-3 Monate nach dem Ende der Therapie nochmals einen Termin vereinbaren)

Insgesamt gibt es über 100 Psychotherapie-Formen, von denen allerdings nur zwei, nämlich die Verhaltens-Therapie und die Gesprächs-Therapie von den Krankenkassen anerkannt werden.


Die Verhaltens-Therapie
Die klassische Verhaltenstherapie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem amerikanischen Psychologen John B. Watson entwickelt. In der Verhaltenstherapie wird – im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse – weniger die psychische Entwicklung der Klientin/des Klienten offengelegt. Es geht vielmehr darum, ihr/sein derzeitiges Verhalten und ihre/seine Einstellungen zu untersuchen und nach Möglichkeit zu korrigieren. Vereinfacht gesagt: anstatt die Ursachen für seelische Probleme in der Kindheit zu suchen, soll die Klientin/der Klient vor allem Techniken für die Gegenwart erlernen, um mit den Belastungen umzugehen. Die Verhaltenstherapie besteht aus vielen unterschiedlichen Methoden. Sie zielen darauf ab, den Patienten letztlich zur Selbsthilfe anzuleiten.
Die Verhaltenstherapiebasiert auf der Tatsache, dass unser Leben durch Lernvorgänge geprägt ist. Erfahrungen, ob gute oder schlechte, verstärken oder schwächen Verhaltensweisen. Daraus lässt sich folgern, dass auch psychische Störungen aufgrund ungünstiger oder belastender Lernerfahrungen entstehen. Haben wir einmal falsche Verhaltensweisen „gelernt“, die zu Problemen führen, setzt die Verhaltenstherapie darauf, dass wir sie auch wieder „verlernen“ können. So eignet sich die Betroffene/der Betroffene neue Einstellungen, Sichtweisen und Verhaltensweisen an, um zum Beispiel Ängste oder Essstörungen zu überwinden oder das so elementar wichtige Selbstvertrauen zu stärken.
Die Verhaltenstherapie setzt also im „Hier und Jetzt“ an. Der Therapeut erarbeitet mit seiner Klientin/mit seinem Klienten, warum sie/er in der aktuellen Situation Beschwerden hat. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht darauf, Probleme aus der Vergangenheit oder Kindheit aufzuarbeiten, um die Wurzeln der Beschwerden zu erkennen, sondern darauf, sich neue Sicht- und Verhaltensweisen anzueignen, um die Probleme zu überwinden. Dabei setzt man zum Beispiel Angstbewältigungsstrategien, Rollenspiele, Verhaltensübungen, Vorstellungsübungen (mentales Training) und Entspannungsverfahren ein.

 

Die Gesprächs-Therapie
Bei der klientenzentrierten und lösungsorientierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers wird unterstellt, dass dem Menschen eine "Selbst-Verwirklichungs-" und "-Vervollkommnungs-tendenz" angeboren ist, die für die Weiterentwicklung und Reifung der Persönlichkeit sorgt. Der Mensch trägt demnach alles zur Heilung Notwendige in sich und ist selbst am besten in der Lage, seine persönliche Situation zu analysieren und Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten. Deshalb, so folgert Rogers, muss Psychotherapie vor allem ein günstiges Klima für den möglicherweise gestörten natürlichen Regelprozess schaffen. Die Hilfe suchende Person, ihre Gefühle, Wünsche, Wertvorstellungen und Ziele stehen im Mittelpunkt der therapeutischen Interaktion, die Sichtweise der Therapeutin/des Therapeuten tritt in den Hintergrund. Sie/er ist lediglich für den professionellen Prozess verantwortlich, Ratschläge und Bewertungen werden vermieden und durch nicht-direktives Verhalten, aktives Zuhören und Empathie ersetzt.


Hypnotherapie
Die moderne Hypnotherapie gilt als ein ressourcenorientiertes psychotherapeutisches Verfahren. Dabei wird das in der Klientin/im Klienten vorhandene Reservoir an positiven Erfahrungsmöglichkeiten, latenten Bewältigungsstrategien und eigenen Stärken mit hypnotischen Techniken aktiviert und zur Bewältigung körperlicher/psychischer Probleme genutzt. Die therapeutische Nutzung positiver Lebenserfahrungen der Klientin/des Klienten wird auch mit Bezug auf den bekannten amerikanischen Hypnotherapeuten Milton Erickson als „Utilisation (Nutzung) von Ressourcen“ bezeichnet. Hypnose kann eigenständig oder in Kombination mit anderen Verfahren (wie Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologischen Verfahren) eingesetzt werden.
Hypnotherapie ist eine wirksame Therapieform, die sich bei der Behandlung verschiedenster Störungsbilder bewährt hat, was durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt wird. Seit 2006 ist Hypnotherapie in Deutschland offiziell als eine wissenschaftlich fundierte psychotherapeutische Methode anerkannt.

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