+++ New+++ Neues zum Thema "Psychische Gesundheit" +++New+++

Psychische Gefährdungen in der Arbeit –
aus Unternehmenssicht betrachtet
  • Psychische Gefährdungen einerseits und die Arbeitsergebnisse gesunder, motivierter Mitarbeiter in einem Unternehmen lassen sich am besten am Point-of-Sales, also im direkten Kundenkontakt, beobachten.
  • Mangelhafte Vor- und Fürsorge der Unternehmen im Hinblick auf psychische Gefährdungen, auf die Mitarbeitergesundheit, auf die Mitarbeitermotivation tauchen, eindeutlich erkennbar, weder in der Bilanz noch in der G+V auf.
  • Die Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse werden daher oft nicht erkannt und fälschlicherweise der „bösen Konkurrenz“ oder der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ zugeschrieben.
  • Im Personalbereich kurzsichtig eingesparte Kosten  oder vernachlässigte Investitionen müssen in der Regel an anderer Stelle, beispielsweise am Point-of-Sales, in einer anderen „Währung“ (z.B. Preisnachlässe) bezahlt werden, allerdings  zu einem deutlich schlechterem „Wechselkurs“.
  • Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenzufriedenheit sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Sie stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern bedingen sich gegenseitig.

Mega-Trend „Ganzheitliche Gesundheit“

 

Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage zur Entstehung langfristiger Struktur-­Zyklen stößt man immer wieder auf den Ökonomen Nikolai Kondratieff. Er beobachtetelangfristige Wirtschaftsschwankungen in Zyklen von 40 bis 60 Jahren, sogenannte

Kondratieff-Zyklen, an deren Anfängen jeweils neue technologische Errungenschaften stehen, die zu Trägern eines lang anhaltenden Konjunkturaufschwungs werden. In der Regel durchdringen  derartige  Basis-Innovationen nahezu alle Bereiche der Volkswirtschaft und lösen in der gesamten Wirtschaft neue Produktivitätsschübe aus. Seit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts bis heute werden fünf Kondratieff-Zyklen genannt, die Zeiten des Umbruchs und die Veränderung ganzer Gesellschaften verursachten.

 

Momentan befinden wir uns im sechsten Kondratieff, bei dem erstmals nichts Materielles, sondern die psychosoziale Kompetenz im Vordergrund steht. Es handelt sich um eine Konjunkturperiode, die  zu den Menschen führt und diese mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt rückt. Die physischen und psychischen Komponenten stehen dabei gleichermaßen im Vordergrund und betonen ein ganzheitliches Wohlbefinden, die ganzheitliche Gesundheit des Menschen.

 

Insbesondere in der Verbesserung der psychosozialen Gesundheit sieht Nefiodow erhebliche Produktivitätsreserven für Wirtschaft und Gesellschaft. Zur Begründung verweist er auf die großen Schäden und Verluste, die uns momentan durch psychische Störungen und ihre Folgen wie Gewalt, Kriminalität, Drogenmissbrauch und Erkrankungen entstehen. Dabei ist die Nachfrage bereits jetzt enorm. Menschen sind immer stärker bereit, immer größere Teile ihres Einkommens nicht nur für Medikamente, sondern auch für gesunde Ernährung und Gesundheitsdienstleistungen aller Art auszugeben. Vom autogenen Training über Psychotherapien bis Yoga – jeder strebt nach Wohlbefinden oder „Wellness“. Diese Entwicklung wird durch die demographische Entwicklung weiter verstärkt.

 

Die Basisinnovation des Sechsten Kondratieffs ist die Erschließung von psychosozialen und seelischen Potentialen. Die Begründung liegt wohl auch darin, dass der psychisch-soziale Bereich derzeit eines der größten Hindernisse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Destruktive Verhaltensweisen nehmen auf der ganzen Welt zu. Seelische Probleme erzeugen Negativgefühle. Wer damit nicht umgehen kann, der ist körperlich wie auch geistig beeinträchtigt, kann somatisch erkranken. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation sind Depressionen inzwischen die zweithäufigste Todesursache. Nur zehn Prozent weniger Destruktivität brächten weltweit rund 1 000 Milliarden Dollar, die einen Konjunkturschub mit Millionen neuer Arbeitsplätze auslösen würden.

Jahr für Jahr gehen Millionen Arbeitsstunden verloren, weil die Menschen unter psychosomatischen Krankheiten leiden, sich gegenseitig frustrieren und bekämpfen. 30 – 50 Prozent aller Angestellten fühlen sich unwohl, leiden unter Mobbing oder haben innerlich gekündigt. Künftig wird die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen maßgeblich davon abhängen, wie stark sie sich für die körperliche, seelische und soziale Gesundheit ihrer Mitarbeiter einsetzen.

 

Im psychosozialen Bereich schlummern die größten Produktivitätsreserven. Die seelischen Probleme muss man besser in den Griff bekommen, um jene Kräfte freizusetzen, die in der Wirtschaft der Informationsgesellschaft entscheidend sind, wie Kreativität, Motivation, Zusammenarbeit, soziale Kompetenz, Lern- und Einsatzbereitschaft. Und dazu müssen sich auch die Medizin und die Psychologie deutlich stärker vernetzen.

 

Es ist zu hoffen, dass die Unternehmen diesen Mega-Trend erkennen, sich nachhaltig darauf einstellen und durch beherztes Handeln die Chancen aus diesem Mega-Trend realisieren. Wenn man sich die Führungssysteme, den Umgang mit den Mitarbeitern, die vielfach unzureichenden Motivations-Strategien und den Umgang mit psychischen Belastungen ihrer Beschäftigten in vielen Unternehmen und Behörden vor Augen führt, dann wird erkennbar, dass hier noch gewaltig viel zu tun ist.

Quelle für die Grafik: Peters & Helbig

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